6.7.2026, 12:00 – 15:30: Forschungskolloquium Panel 3: Mutterschaft und Wissenschaft

6.7.2026, 12:00 – 15:30: Forschungskolloquium Panel 3: Mutterschaft und Wissenschaft

Das Panel versammelt vier Beiträge, die aus unterschiedlichen methodischen Perspektiven untersuchen, wie Mutterschaft und Sorgearbeit wissenschaftliche Karrieren von Frauen beeinflussen. Das BMFTR-Projekt Moms@Science (Franka Metzner-Guczka, Carolin Quenzer-Alfred, Lisa Tölle, Pädagogische Hochschule Freiburg) führt narrative Leitfadeninterviews mit 20 Wissenschaftlerinnen mit Kindern durch und zeichnet sich dadurch aus, dass die Forschenden selbst Mütter in unterschiedlichen Qualifizierungsphasen sind — eine geteilte Verstrickung, die besondere Nähe erzeugt, aber auch den Auswertungsprozess rahmt. Hanna Haag, Eileen Wittenberger und Annette Hilscher (gFFZ / Frankfurt UAS) präsentieren auf Basis von Gruppendiskussionen und Einzelinterviews aus dem Verbundprojekt „Wissenschaft und Sorge“ Narrative von Promovierenden und Post-Docs, die intersektional analysiert werden. Dabei zeigt sich ein aufschlussreicher Kontrast: Während Mütter versuchen, sich diskursiv von der Rolle der „Vollblutmutter“ zu lösen, kämpfen Väter darum, sich vom Ideal des „Vollblutwissenschaftlers“ zu befreien. Klassenlage erweist sich als entscheidender Faktor, etwa bei der Frage, wer sich Fremdbetreuung leisten kann, um trotz Kindern wissenschaftlich präsent zu bleiben. Jule Marie Lilje und Okka Zimmermann (TU Braunschweig) untersuchen auf Basis einer quantitativen Online-Befragung, wie Wissenschaftlerinnen die konfligierenden Erwartungen an „gute Mutter“ und „gute Wissenschaftlerin“ erleben,  mit Schuldgefühlen und dem Gefühl, beiden Rollen nicht gerecht zu werden. Ihre Ergebnisse verweisen zudem auf eine phasenweise Retraditionalisierung innerpartnerschaftlicher Arbeitsteilung: Ursprünglich egalitär gedachte Modelle kippen unter dem Druck von Care-Verpflichtungen und Exzellenzanforderungen in asymmetrische Arrangements. Schließlich stellt das Projekt Moms@Science einen systematischen internationalen Literaturüberblick vor, der akademische Leistungen von Wissenschaftlerinnen mit Kindern im Vergleich zu Vätern und kinderlosen Wissenschaftler:innen auswertet. Im Fokus stehen die Gründe für Unterschiede in Leistung, Wohlbefinden und Karriereentscheidungen sowie die daraus ableitbaren Fördermaßnahmen für Hochschulen. Gemeinsam machen die Beiträge deutlich, dass Mutterschaft in der Wissenschaft keine individuelle Vereinbarkeitsfrage ist, sondern eine strukturell und politisch gerahmte Praxis, in der Geschlechter-, Care- und Leistungsnormen sichtbar werden.

Weitere Informationen findet ihr hier.

Am Kolloquium teilnehmen könnt ihr hier. Der Kenncode ist: 010515. Es ist keine Anmeldung nötig.