07.05.2026 12.00-16:00: Auftakt Kolloquium „Mutterschaften erforschen“ – Panel 1: Prekarität und Armut
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Nach der überwältigenden Rückmeldung zu unserem Call, freuen wir uns sehr, dass unser offenes und freundliches Kolloquium nun anläuft. Die ersten vier Beiträge sammeln sich unter dem Panel „Prekarität und Armut“. Louisa Kamrath, Elena Höpfner, Katharina Graf, Melodie Luana Burri und Luisa Perdomo stellen hier ihre Forschungsprojekte vor.
Wir möchten gerne alle herzlich einladen dabei zu sein.
Louisa Kamrath: „Stadt der Mütter“
Meine Forschung zwischen feministischer Theorie, kognitiver Linguistik und empirischer Sozialforschung untersucht anhand von alleinerziehenden prekarisierten Berliner Müttern, wie intersektionales Wissen, strukturelle Grenzen und abjekte Agency verkörpert sind. Im Kolloquium stelle ich die Metaphernanalyse der Daten vor, die 2023 und 2024 erhoben wurden und teile die vorläufigen Ergebnisse.
Louisa Kamrathist Promovendin am Graduiertenkolleg für Intersektionalitätsstudien der Uni Bayreuth und Stipendiatin der Hans Böckler Stiftung. Sie unterrichtete an der HU Berlin und der ASH Berlin Gender Studies und ist Mitkoordinatorin des Netzwerk Mutterschaft und Wissenschaft und Assistentin am ICP Berlin.
Elena Höpfner: „Prekäre Mutterschaft im Jobcenter“
In diesem Beitrag geht es um die Artikulation der An- und Abwesenheiten der Jobcenter in der Phase der prekären Mutterschaft sowie ihren Einfluss auf das Mutterwerden und -sein. Die Analyse erfolgt auf der Grundlage von deutschlandweit gesammelten Interview- und ethnografischen Felddaten, die im Rahmen von 15 face-to-face Gesprächen mit Mütter kleiner Kinder unter drei Jahren in der Grundsicherung sowie 20 Telefoninterviews mit Front-Office-Mitarbeitenden von Jobcentern entstanden sind. Die Suche nach Wegen für die Ermöglichung von unterschiedlichen Mütteridentitäten und damit eng verbunden der Realisierung von individuellen Lebens-, Berufs-, und Betreuungsvorstellungen auch für Frauen in prekären Lebensverhältnissen – sowie die Beantwortung der Frage, welche Rolle Jobcenter dabei spielen (können oder sollen) ist ein großes Anliegen dieser Arbeit.
Elena Höpfner ist Soziologin und zweifache Mutter – gerade in Elternzeit. Sie ist am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung im Forschungsbereich Teilhabe und Erwerbslosigkeit in Nürnberg tätig und promoviert bei Prof.in Mona Motakef an der TU Dortmund.
Melodie Luana Burri: „Familien(er)leben in Erwerbsarmut“
Der Beitrag untersucht Mutterschaften im Kontext von Erwerbsarmut als Ort (gesellschaftlicher) Grenzziehungen zwischen Produktion und Reproduktion. Auf Basis qualitativer Daten aus dem Forschungsprojekt «Familien(er)leben in Erwerbsarmut» wird untersucht, wie Mütter unter Bedingungen struktureller Unsicherheit alltägliche Anforderungen an Erwerbs- und Sorgearbeit leisten und bearbeiten. Im Fokus stehen ihre Aushandlungen zwischen (normativen) Erwartungen an Mutterschaft und Erwerbsarbeit sowie den Wirkungen intersektionaler Prekarisierungen.
Melodie Luana Burri ist Doktorandin an der Berner Fachhochschule im Departement Soziale Arbeit und angeschlossen am Interdisziplinären Zentrum für Geschlechterforschung der Universität Bern. Sie forscht im vom Schweizerischen Nationalfonds finanzierten Projekt «Familien(er)leben in Erwerbsarmut. Perspektiven von Kindern und Eltern».
Katharina Graf: „Mutterschaft & Essen“
Meine ethnografische Forschung in geringverdienenden Haushalten in Deutschland untersucht den Umgang und die Wahrnehmung von Ernährungsarmut und digitaler Marginalisierung im Kontext der Wohlfahrts- und Wissensgesellschaft. Mein Fokus ist explizit auf Mütter gerichtet, die unverhältnismäßig stark von Ernährungsarmut und digitaler Ungleichheit betroffen sind. Mein Beitrag zum Kolloquium fokussiert politische und intersektionale Mutterschaft im Kontext von Prekarität, Care und sozialer Ungleichheit.
Katharina Graf ist Kulturanthropologin und forscht seit über 10 Jahren ethnografisch zum Thema Ernährung und Nahrungszubereitung. Dabei hat sie vornehmlich mit Müttern gearbeitet, zunächst in Marokko, aktuell in Deutschland. Ihr Interesse gilt dabei verschiedenen Themen, von körperlichem Wissen und Alltagspraktiken, Digitalisierung und Science and Technology Studies, Gender, Klasse und Macht, über Armut und Nahrungsunsicherheit, sozialer und politischer Teilhabe, hin zu Globalisierung, Märkten und Food Systems.
Luisa Perdomo Lopez, Andrés Llanos, Gloria Sánchez: Mutterschaft im Asylregime
In unserem interdisziplinären Beitrag möchten wir analysieren, wie Mutterschaft im deutschen Asylregime konstruiert, bewertet und (nicht) anerkannt wird – und welche Implikationen sich daraus für die betroffenen Frauen ergeben. Im Fokus stehen Interviews mit kolumbianischen und venezolanischen Mütter, die sich derzeit im Asylverfahren befinden und deren Bleibeperspektiven als gering einzustufen sind. Der Fokus liegt auf ihren Care Praktiken, die in einem von Restriktionen und Unsicherheit geprägten System zum Tragen kommen: der Herstellung emotionaler Stabilität, der Etablierung von Sicherheit im Provisorium sowie der Organisation und Bereitstellung informeller Unterstützung. Zudem wird analysiert, inwiefern Sorgearbeit institutionell unsichtbar gemacht, eingeschränkt oder entwertet wird.
Luisa Perdomo Lopez forscht und publiziert seit einigen Jahren zum Thema Schwangerschaft und Flucht, ist Referentin für Chancengleichheit (Schwerpunkt Familie, TU Braunschweig) und Leiterin der Gruppe Safe Art Space beim NTFN e. V.
André Llanos hat Lehr- und Forschungserfahrungen an kolumbianischen Hochschulen sowie als Sekretär für Opferangelegenheiten, Frieden und Nachkonflikt; seit 2022 lebt er nach politisch motivierter Verfolgung als Aktivist und Menschenrechtsverteidiger im Exil in Deutschland
Gloria Sánchez ist europäische Rechtsanwältin mit Schwerpunkten im Familien , Ausländer und spanischen Recht; sie hat langjährige Erfahrungen im Asylrecht, insbesondere in Fällen von Frauen nach Menschenhandel sowie von Personen der LGBTIQ Community.
Die Veranstaltung findet online statt, es ist keine Anmeldung nötig: