10.06.26 – 12:00-15:30, Forschungskolloquium Panel 2: Normierung von Mutterschaft

10.06.26 – 12:00-15:30, Forschungskolloquium Panel 2: Normierung von Mutterschaft

Das Panel 2 „Normierung von Mutterschaft“ versammelt vier Beiträge, die aus erziehungswissenschaftlicher, soziologischer, literaturwissenschaftlicher und gender-studies-orientierter Perspektive fragen, wie Mutterschaft gesellschaftlich normiert wird. Jacqueline Knopp (Universität Vechta) rekonstruiert mithilfe der dokumentarischen Methode, welche handlungsleitenden Orientierungen zu Mutterschaft sich bei Frauen unter Bedingungen von Prekarität und sozialer Ungleichheit zeigen. Ihre Analyse narrativ-biographischer Interviews verweist sowohl auf die Reproduktion patriarchaler Arbeitsteilungen als implizite Normalitätsfolie als auch auf Mutterschaft als biographischen Gegenentwurf zu eigenen prekären Kindheitserfahrungen. Donata Weinbach (Universität Bremen) analysiert am Beispiel von Bettina Wilperts 2025 erschienenem Roman „Die bärtige Frau“, wie zeitgenössische Literatur Schwangerschaft und Muttersein vor dem Hintergrund von Geschlecht, Körper und Diversität modelliert. Im Zentrum stehen die Aporien, vor denen eine emanzipierte junge Frau und Mutter im 21. Jahrhundert steht. Maike Esselbrügge (Universität Bremen) präsentiert Ergebnisse einer Interviewstudie mit Müttern, die ihre Mutterschaft bereuen, und zeigt, dass Reue nicht nur individuelle Erfahrung beschreibt, sondern auf normative Leitbilder und gesellschaftliche Strukturen verweist. Giovanna Gilges (Ruhr-Universität Bochum) gibt Einblicke in ihr Promotionsprojekt zum Schwangersein in der Sexarbeit und fragt, wer gesellschaftlich überhaupt als „gute Mutter“ gelten darf. Sie beleuchtet, wie schwangere Sexarbeiter*innen und sexarbeitende Mütter in gesellschaftlichen und politischen Diskursen zwischen Stigmatisierung, Viktimisierung und Unsichtbarkeit verortet werden. Gemeinsam machen die Beiträge sichtbar, dass Mutterschaft kein natürlicher Zustand, sondern ein normativ aufgeladenes, sozial selektives Konstrukt ist. Das Panel lädt dazu ein, diese Normierungen kritisch zu befragen und die Vielfalt gelebter Mutterschaftserfahrungen ernst zu nehmen.

Weitere Informationen findet ihr hier.

Am Kolloquium teilnehmen könnt ihr hier. Der Kenncode ist: 010515. Es ist keine Anmeldung nötig.